Der Entwurf "Strichcollage" von Lisa Brockmann, Bild: Lisa Brockmann

Eine Fassade ist eine Fassade ist eine Fassade

Jurysitzung und Bekanntgabe der Gewinnerinnen

Lisa Brockmann und Annett Plonka gewinnen die ersten Plätze der Ausschreibung der HWG zur Realisierung von zwei „Kunst am Bau“-Projekten in den Stadtbezirken Silberhöhe und Heide-Nord

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Eine Fassade ist eine Fassade ist eine Fassade“ von Prof. Stella Geppert erarbeiteten zwölf Studierende der Kunstpädagogik Entwürfe für die Gestaltung von zwei Fassaden in der Hanoier Straße 27 (Silberhöhe) und dem Aalweg 07 (Heide – Nord). Unter Berücksichtigung der städtebaulichen und sozialen Kontexte sollte auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten (z.B. das Gebäude, die Bewohner*innen, das Verhältnis von Urbanität und Natur) eingegangen werden. Zu beachten war zudem, dass der realisierte Entwurf mindestens fünf Jahre Bestand haben muss.

Die Recherchearbeit, die Ideenentwicklung, die Visualisierung der Entwürfe und die Überprüfung auf Realisierbarkeit wurden von Expert*innen, wie den Berliner Künstler*innen Josefine Günschel und Ulrich Vogl und dem Statiker Dr.-Ing. Christian Heidenreich begleitet.

Am 19.01. präsentierten die Studierenden ihre Entwürfe einer Jury aus Vertreter*innen der bildenden Kunst und der HWG.

Den 1. Platz und somit die Realisierung für den Standort Aalweg 17 gewann Lisa Brockmann (3. Semester, Kunst Lehramt) mit dem Entwurf „Strichcollage“. Den 2. Platz für diesen Standort erhielt der Entwurf „Aufgestuckt“ von Lina Zacher und Carolin Breme (9. Semester und 7. Semester, Kunstpädagogik).

Den 1. Platz und die Realisierung des Entwurfs für den Standort Hanoier Str. 27 gewann Annett Plonka (7. Semester, Kunst Lehramt) mit dem Entwurf „Im Aufbruch“. Eine Anerkennung in Form des 2. Platzes erhielt Lisa Brockmanns zweiter Entwurf „Den Wald anrufen“.

Im Rahmen der Weiterführung der Lehrveranstaltung im Sommersemester 2018 werden die jurierten Entwürfe nun bis Juni 2018 realisiert. Mit dem Anspruch auf eine eigenständige künstlerische Aussagekraft werden zudem alle Entwürfe im Sommer 2018 zur Jahresausstellung ausgestellt.

Die Veranstaltung findet in Kooperation und mit freundlicher Unterstützung der HWG statt.

Jurymitglieder

Sitzungsvorsitz und beratende Mitglieder:

Prof. Stella Geppert, BURG

Steffen Schier (Leiter Unternehmenskommunikation HWG)

Stimmberechtigte Mitglieder der Bildenden Kunst:

Daniel Herrmann
(Künstler, Geschäftsführer / Künstlerischer Leiter Werkleitz Gesellschaft e. V., Halle)

Christine Bergmann
(Künstlerin mit Schwerpunkt Kunst am Bau – Projekten, 2. Vorsitzende des Berufsverbands
Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e.V., Halle)

Prof. Dr. Bärbel Schlüter
(Professorin für Kunstvermittlung an der HBK Braunschweig und Künstlerin, Hannover)

Stimmberechtigte Mitglieder der HWG:

Christian Zeigermann (Abteilungsleiter Technik)

Cornelia Bose (Teamleiterin Heide-Nord) / Christian Klose (Teamleiter Silberhöhe) entsprechend der jeweiligen Standorte (zählt als ein Stimmmitglied)

 

1. Platz Aalweg 17 / „Strichcollage“ von Lisa Brockmann

Striche sind elementare Bestandteile einer Zeichnung. Die Individualität der Zeichnung liegt in der Ausführung des eigenen Striches. Ein Strich ist unabhängig von Bildung, Alter, Herkunft oder Geschlecht, ihn zu ziehen benötigt keine besondere Begabung. Und doch hat jeder Mensch seinen „eigenen Strich“. In einem partizipatorischen Ereignis im Juni 2018 werden die Bewohner*innen des hallenser Viertels Heide-Nord eigeladen ihre eigenen Striche auf die Fassade setzen.
Die „Strichcollage“ möchte die Individualität der Bewohner*innen in einem kollektiven Rahmen aufzeigen.

 

1. Platz Hanoier Straße 27 / „Im Aufbruch“ von Annett Plonka

Die für die Nord-West-Fassade der Hanoier Straße 27 konzipierte Installation Im Aufbruch umfasst vier an der Außenfassade inszenierte Innenräume. Farbig verputzte Flächen, Wand- und Deckenelemente und reale Objekte, wie Heizkörper, Vorhangstangen und Fenstergriffe geben einen Einblick in das Innere eines Wohngebäudes. Verspiegelte Fenster bilden die Umgebung ab, zeigen die vorüberziehenden Wolken und ermöglichen so einen scheinbaren Durchblick durch das Gebäude. Der leerstehende Plattenbau verzahnt sich mit dem Außenraum. Die Fassade wird aufgebrochen und Zerstörtes wiederbelebt. Innen und Außen verschwimmen. „Der gelebte Raum [geht] durch die Dinge hindurch“ *. Der Betrachter ist dazu eingeladen sich auf diese Illusion einzulassen und weiterzudenken.

* Franz Xaver Baier „Der gelebte Raum“

 

2. Platz Hanoier Straße 27 / „Den Wald anrufen“ von Lisa Brockmann

„Den Wald anrufen“ ermöglicht es den Bewohner*innen der Silberhöhe in einen anderen Raum einzutreten ohne ihr alltägliches Umfeld zu verlassen.
Durch die Installation eines Abhörgerätes im Wald kann dieser aus der zukünftigen „Waldstadt“ Silberhöhe per Mobiltelefon angerufen und so live mitgehört werden. Urbanität und Natur verschmelzen für einen Moment.

 

2. Platz Aalweg 17 / „Aufgestuckt“ von Lina Zacher und Carolin Breme

In dem Entwurf „Aufgestuckt“ treffen Altbau und Plattenbau aufeinander und verschmelzen zu einer gemeinsamen Decke an einer Fassade im Aalweg 17, Heide Nord. Die Idee ist es mit diesem Entwurf die Standorte der halleschen Alt- und Plattanbaugebiete einander bildlich näherzubringen. Es soll nicht um eine Wertung, sondern um eine Aufwertung durch das Verbinden der, für die jeweilige Architektur stehenden Elemente Waschbeton und Stuck, gehen. Interessierte Bewohner*innen sind eingeladen das Stuckateur-Handwerk kennenzulernen und bei der Umsetzung mit Hand anzulegen. Der Kronleuchter soll des Nachts die Umgebung erleuchten und somit symbolisch das häusliche Innenleben nach außen kehren.

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